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Buchpräsentation am Dienstag, den 28. September, 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 3,00 € Rainer Stollmann lehrt an der Uni Bremen im Fachbereich „Kulturwissenschaften“. Er ist ein langjähriger Kunde und Freund des Buchladens. Anlässlich des Erscheinens seines neuesten Buches über das Lachen: „Angst ist ein gutes Mittel gegen Verstopfung.“ Aus der Geschichte des Lachens. Vorwerk 8 Verlag Berlin 2010 , 19,- € wird Rainer das Buch bei einem Glas Wein im Laden vorstellen. Er selbst beschreibt den Inhalt des Buches so: Lachen ist eine Art epileptischer Anfall, der Spaß macht. Ausgehend vom Zwerchfell, dem größten Muskel des Leibes, das eigentlich die Lungen beim Atmen unterstützen soll, aber jetzt ohne Rücksicht aufs Atmen eigensinnig zu flattern beginnt, verbreitet sich die Anarchie über den gesamten Körper. Man schlägt sich auf die Schenkel, krümmt sich, „wälzt sich auf dem Boden“, das Gesicht zuckt konvulsivisch, die kleineren Muskeln der Körperöffnungen wie Auge (Tränen), Mund (und evtl. dessen Antipode) lassen ebenfalls die Kontrolle fahren – der Körper existiert quasi nur noch als wilder Rhythmus. Warum um Himmels willen tun wir das? Ist es ein Ausbruch der Natur oder eine kulturelle Erfindung?Allerdings lacht kein Mensch ohne Anlass, und der erste Ursprungsreiz des Lachens ist das Kitzeln. Das Kitzeln ist der Schlüssel zum Rätsel des Lachens. Denn der Mensch ist eine Zwiebel (nach Schopenhauer und Ringelnatz: „Ich bin ein kleines Zwiebelchen ...“). Er hat viele Häute: Außer der natürlichen Haut (dem ersten natürlichen Zusammenhang des Menschen) sind wir noch in soziale, kulturelle, politische, historische, familiäre, individuelle u.a. Identitätshäute gewickelt. Alle diese Häute haben ihre schwachen Stellen, und die Kunst aller, die uns zum Lachen bringen, von Eulenspiegel bis Helge Schneider, von Freddie Frinton bis zu Harald Schmidt, vom kurzen Witz bis zum abendfüllenden Spielfilm, besteht darin, solche sensiblen, kitzligen Stellen zu finden und auf die richtige (komisch, witzige, humorvolle) Weise zu berühren. Freud sagt, dass keiner wisse, warum er lacht. Aber nachträglich können wir diese Häute mit ihren sensiblen Stellen beschreiben und so verstehen, warum wir lachen. Harald Schmidt kitzelt z.B. in den ersten fünf Minuten an den sensiblen, angstbesetzten Stellen unserer Tages- oder Wochenhaut, Loriot kitzelt immer wieder an der Haut des Konfor-mismus, Helge Schneider kitzelt and der Unterhaltungs-mainstream-Haut, Eulenspiegel an der Haut des Mittelalters, Otto Waalkes an der Autoritätshaut. Die Häute oder Zusammenhänge, in denen Menschen leben, ändern sich in der Geschichte. Bauern lachen (anders als Städter) über Groteskes und Märchen, Städter über Witze, Humor und Komik. Schadenfreude ist eine städtische Erfindung. Hinter den Schottenwitzen lauert die konfliktreiche Geschichte zwischen Engländern und Schotten, und der „Maschendrahtzaun“ ist die komische Wiederauferstehung der Berliner Mauer. Auch Tiere lachen, besonders die Schimpansen, wenn auch nicht über Witze. Dass Deutsche humorlos sind, wie ihnen von andern Völkern und von sich selbst nachgesagt wird, ist falsch, hat aber historische Gründe. |